Ein paar kurze Worte...
...über die Welt und auch ein bisschen über mich
Samstag, 27. Oktober 2007
An die Sonne
Liegt es am Charakter der Deutschen? Oder ist es ein international auftretendes Phänomen, dass immer und überall, in allen Lebenslagen, Probleme aufzutauchen scheinen, über die beinahe dankbar begonnen wird, sich zu beschweren? Sein Leben lang bemüht sich der Mensch, dieses möglichst angenehm und reibungslos abzuwickeln und sich so viele Vorteile, wie es nur geht, zu verschaffen. Hat der Mensch ein wichtiges Problem gelöst, das zuvor einen Großteil seiner Gedanken beansprucht hatte, so ist er danach keineswegs still und zufrieden, nein, er findet alsbald den nächsten Krümel auf der Tischdecke und reißt sein Maul auf, der Krümel störe und möge doch verschwinden. Manch einer kehrt ihn selbst vom Tisch, andere sind dazu zu faul und regen sich lieber auf, statt einen Finger krumm zu machen.
Ich erkläre viele solche Dinge gerne mit einem Verweis auf die frühe Menschheitsgeschichte. Damals, als der Homo noch nicht denken konnte, waren es seine bis heute in verkümmerter Form vorhandenen Triebe und Reflexe, die ihn zu entscheidenden Tätigkeiten drängten. Heute sind sie unwesentlicher, doch stets im Unterbewusstsein existent.
Aber ist es wirklich ein steinzeitlicher Trieb, an jeglicher Lebenslage etwas auszusetzen zu haben? War es damals hilfreich, unzufrieden zu sein? War es gefährlich für Leib und Wohl, zufrieden zu sein? Braucht der Mensch Barrikaden, die er aus dem Weg räumen muss, um Selbstbestätigung zu erlangen? Oder braucht der Mensch einfach eine Beschäftigung, Anhaltspunkte, um seine Existenz wahrzunehmen, ein Kontrastprogramm, um Angenehm von Unangenehm unterscheiden zu können?
Hat jemand, der wunschlos glücklich ist, kein Profil mehr? Ich stelle mir das gerade vor, wunschlos glücklich zu sein. Mein Gott, wäre das langweilig. Es wäre ein Leben ohne Freude, denn alles, was man begehrt, besitzt man bereits oder kann es genießen. Doch ständiger Genuss führt zum Verdruss und somit zur Missmut. Die Schlussfolgerung daraus ist demnach, dass ein wunschlos glückliches Leben nicht möglich ist.
Abgesehen von der Utopie solcher ja nun anscheinend doch nicht erstrebenswerter Zustände kann durchaus festgestellt werden, dass Menschen, die sich eine Sache wünschen, etwas, das sie als elementar erachten, als lebensnotwendig, Unverständnis gegenüber denjenigen zeigen, denen dieser Wunsch bereits erfüllt worden ist, diese aber dennoch Gründe und Motive finden, sich zu beschweren und zu beklagen.
Fehlt diesen vermeintlich Glücklichen der objektive Betrachtungswinkel oder ist es eine innere Raffgier auf immer mehr zufriedenstellende Glückseligkeit?
Ein Millionär klagt in der Regel ebenso laut über den Verlust von fünfthunderttausend Dollar wie ein Tellerwäscher über die Mieterhöhung, die mit seinem mickrigen Lohn kaum mehr zu decken ist. Wem bedarf es des größeren Mitleids? Wer verdient es eher, im Lotto zu gewinnen? Betrachtet man nur diesen einen Umstand, so ist die Antwort auf diese Frage nach gesundem Menschenverstand und Gerechtigkeitssinn eindeutig. Doch wird auch der Millionär schlecht gelaunt maulen, wenn er stets die falschen Zahlen wählt. Dass der Tellerwäscher sich nicht einmal den Lottoschein leisten kann, interessiert ihn in dieser und in der Regel auch jeder anderen Situation nicht die Bohne.
Die eigentliche Thematik im Speziellen, die mich auf diese Gedanken brachte, habe ich bislang gar nicht genannt und ich werde sie auch nicht explizit erwähnen, da jeder, der mich gut kennt, sich eh denken kann, um was es geht. Im Grunde jedoch können obige Vergleiche eins zu eins übernommen werden. Warum sich in jeder Lebenslage über die unterschiedlichsten Dinge beschwert wird, anstatt einmal in den Spiegel zu schauen, sein Dasein zu reflektieren und sich zu sagen "Hey, du bist ein Glückspilz! Du bist glücklich, hier und jetzt!", vermag ich im Moment nicht herauszufinden. Doch ich bin auch nicht sicher, ob das jemand in meiner Lage überhaupt versuchen sollte.
Ich gebe zu, dass ich mich recht häufig über alle möglichen Missstände ärgere und nach oben schaue und mich aufrege, dass sich diejenigen über mir ebenfalls ärgern, obwohl sie dort oben frischere Luft atmen. Und dass ich in diesen Momenten vergesse, dass diejenigen unter mir dieses Ärgern nicht verstehen können...
Es ist wie in einem riesigen Turm. Jeder will nach ganz oben, heraus aus dem Schatten der Unterwelt, hinauf ins Licht, an die Sonne. Diejenigen über einem werden beneidet und nach unten schaut keiner. Doch ist man irgendwann oben angekommen, merkt man, dass es dort kalt und windig und niemand mehr da ist, der einem hilft, die Ballance zu behalten. Und der Fall kann lang und tief sein.

Jetzt habe ich wieder geschwafelt und Metaphern aufgestellt, von denen ich wie gewohnt selbst nicht weiß, ob sie überhaupt das ausdrücken, was ich ursprünglich ansprechen wollte. Und überhaupt ist mir nach all den Worten selbst nicht mehr klar, ob das Geschriebene wirklich das von mir Gemeinte darstellt, oder ob ich mal wieder im Schreibwahn etwas zu sehr abgedriftet bin vom Wesentlichen.
Das Gute an der Sache jedoch ist, dass es mir im Grunde egal sein kann, denn ihr wisst schließlich eh nicht hundertprozentig, was genau ich eigentlich sagen wollte... Und ich denke, auch wenn es nicht punktgenau das widerspiegeln sollte, was ich loswerden wollte, so sind die hier geschriebenen Sätze keinesfalls vergebens.
Mir jedenfalls hat es zumindest ein bisschen Spaß gemacht, mir mit solchen Gedanken die Nacht um die Ohren zu hauen. Und allein dafür hat es sich bereits gelohnt.
Jippiie!
Morgen wird wieder ausgeschlafen.

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